15. September 2017

Kurztrip Madrid

Eine Gefühlsreise durch Madrid

By Sven Meister In Travel

Mittwoch, 02. August 2017 – der WECKER ZEIGT 05:33 Uhr

Aufstehen. Der Tag nach meinem Geburtstag. Ein Kater durchzieht mich. Lust? Habe ich irgendwie nicht, nicht dieses Mal.
Die Reise allein nach Madrid war die erste Reise, auf die ich mich nur bedingt freute.

Warum? Zu viel passierte in den vergangenen Wochen. Zu sehr saß SIE in meinen Gedanken, die alles andere um mich herum immer wieder ausknipsten. Keine positiven Gedanken dieser Tage. Unglaublich, welchen negativen Einfluß Menschen auf einen nehmen, obwohl diese hunderte Kilometer weit entfernt sind.

Hatte SIE mir diese Reise auch zur Last gelegt. Das bin doch Ich. Vielleicht ein schwerwiegender Fehler von mir oder ihr? Ich werde es nie erfahren.

Es hilft nichts. Ich quäle mich hoch und packe die letzte Dinge in meinen Koffer.

Die Fahrt zum Flughafen wird direkt zum ersten Stolperstein. Baustelle. Die Fahrbahnen werden geteilt. Falsch eingeordnet. Ich fahre an der Ausfahrt vorbei, sehe die Straße zum Flughafen auf der rechten Seite. Ich bin links. Komme nicht hinüber. Naja.

Die Business-Lounge im Flughafen von Hannover ist voll, das habe ich noch nie erlebt. Naja.

Der erste Flug führt mich nach Zürich. Das Flugzeug extrem klein, nur spärlich besetzt. Die Kabinencrew sehr freundlich. Immerhin etwas.

In Zürich angekommen zieht es mich wieder in die Lounge, aber Pustekuchen, diese liegt zu weit entfernt. Dass ich das falsche Geld habe, wird mir kurz vor dem Bezahlen einer Flasche Cola dann auch noch bewusst. Total gepennt, hier gibt es doch Schweizer Franken und keine Euros.

Weiter geht es nach Madrid. Ein toller, entspannter, ruhiger Flug und zwei Stunden später bin ich wieder in Spanien. Endlich. Mein Lieblingsland. Die Sonne scheint hier, blauer Himmel.

Aquarius. Bimbo-Brot. Wiener Würstchen aus der Packung. Das sind Kindheitserinnerungen.

Die erste Pizza schmeckt auch. Lässt das schlechte Hotel etwas in den Hintergrund rücken.

Warum bin ich eigentlich hier!?

Nach 13 Stunden reisen werde ich müde, gehe dennoch los in die 38 Grad warme Metropole Spaniens, durch einen schönen, grünen Park. Menschenleer. Ruhig.
Warum war ich nochmal hier!? Achja, die Frage konnte ich noch immer nicht beantworten.
Vielleicht weil ich gerne reise, weil ich gerne alleine reise, vielleicht als Ablenkung von IHR. Vielleicht auch nur ein dummer Ich-Brauch-Dich-Nicht-Trotz.

Dennoch wünschte ich mir, in diesem Moment nicht allein zu sein. Aber Wünsche sind nicht mehr als Wünsche. Gehen sie sowieso nicht in Erfüllung.

Der Parque del Oeste in Madrid ist eine tolle Anlage, die sich recht weit bis zum Palacio Real, dem Königspalast zieht. Hier ist man als Tourist richtig, alles sauber und ordentlich, keine komischen Gestalten. Also schnell wieder weg und zurück zum Hotel. Die Hitze macht mir zu schaffen. Ich bin müde. Quäle mich nicht weiter.
Spanisches Bier – Estrella Dam – ist göttlich, so lässt es sich auch besser einschlafen.

Ein neuer Tag. Neuer Entdeckermut?

Nö. Ich verzichte auf das Frühstück und frühstücke Brot und Wiener Würstchen im Bett. Die Sonne scheint bereits auf vollen Touren.

Von der Dachterasse des Hotels habe ich einen genialen Blick über Madrid. Allein das macht alles negative des Hotels wieder wett. Ich genieße die ersten Minuten in Madrid und bin nun doch noch etwas froh, dass ich die Reise allein angetreten habe. Der Kopf aber schmerzt. Achja, die Sonne… Schnell eincremen.

Kurzreise nach Madrid

34 Grad im Schatten. Ich ziehe los, mit der teuren Kamera in der Hand fühle ich mich erst noch unwohl, dann aber sehr schnell sehr sicher. Was soll ich fotografieren? Mir fehlen die Ideen – oder die Menschen? Oder DER Mensch?

Erste Station: der Parque del Oeste. Hier war ich gestern schon. Sehr schön ruhig, als wenn die Zeit still steht und der Weg zum ersten Ziel für heute auf der Google Karte: der Königliche Palast, Palacio Real.
Hier bin ich als Tourist richtig. Scharren von Touris aus der ganzen Welt umlaufen das riesige Gebäude, posen, machen Fotos und suchen jeden noch so kleinen Schatten.

Kurzreise nach Madrid

Ich lasse mich für einige Zeit vor dem Palast in den Grünanlagen nieder, trinke, esse. Mir kommt eine Idee. Ein vielleicht letzter Funke Hoffnung. Etwas was ich NIE tue. Mein Weg wird mich wieder hierher führen. Aber erstmal weiter. Weiter Richtung Plaza Mayor, DEM Wahrzeichen Madrids. DER Platz in Madrid.

Kurzreise nach Madrid Plaza Mayor

Auf dem Weg finde ich das, was ich gesucht habe. Also wieder zurück zum Königlichen Palast und eine schattige Stelle gesucht.

Was ich hier tat, das wissen nur zwei Menschen auf diesem Planeten, vielleicht auch drei. Vielleicht finde ich die passenden Worte.
Ich schicke die Hoffnung zurück nach Deutschland. Wahrscheinlich komme ich sehr viel früher zurück.

Kurzreise nach Madrid Königlicher Palast

Was kann ich sonst noch tun? Ich weiß es nicht. Ich schlendere noch weiter durch Madrid aber mir fällt nichts besseres ein. Eine „süße“ Idee… Mal schauen was passiert. Ich stecke sie ein. Good luck!

Am Plaza Mayor angekommen nehme ich meine Kamera fester in die Hand, auch wenn sie mit einem Stahband um meinen Körper hängt. Diebe sind hier an der Tagesordnung, also seid vorsichtig, wenn ihr den Platz betretet. Die Menschenmassen sind nicht zu unterschätzen, dass einem das eine oder andere entwendet wird, ist hier leichtes Spiel.

Ich bin nicht so angetan vom Plaza Mayor. Auf Essen habe ich keine Lust, es ist doch viel zu warm. Ich schaue mir die faszinierenden Gebäude an. Kultur. Fotos. Schweiß. Es ist so warm, 40 Grad zeigt eine Anzeige in einer Seitenstraße.

Weiter führt mich der Weg zum Puerta del Sol, dem Sonnentor. Was mache ich hier eigentlich? Ich habe keine Ahnung, was das Sonnentor den Spaniern hier bedeutet. Ich habe mich auf diese Reise null vorbereitet. Ich entschließe mich abzubrechen. Der Weg zurück zum Hotel beträgt sechs Kilometer. Ich überlege kurz auf die Metro umzusteigen aber nein, ein wenig was sehen möchte ich doch trotzdem. Also ab auf den Heimweg. Zu Fuß.

Der Rest der Reise ist für mich nur noch Urlaub. Ich kaufe Bier, esse Pizza und gehe shoppen. Drei Stunden später verlasse ich ein Einkaufszentrum mit 250 Euro weniger auf der Kreditkarte. Frustkauf? Nein. Tolle neue Errungenschaften.

Ich genieße die Abendstunden über den Dächern von Madrid. Mit Bier und Pizza und endlich auch einem kleinen Lächeln auf den Lippen…

Was mache ich eigentlich hier? Achja – leben…!

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